Ensemble für Intuitive Musik Weimar (EFIM)

Daniel Hoffmann – Trompete/Flügelhorn
Matthias von Hintzenstern – Violoncello/Obertongesang
Hans Tutschku – Live-Elektronik
Michael von Hintzenstern – Klavier/Harmonium/Synthesizer

Das “Ensemble für Intuitive Musik Weimar” (EFIM) wurde 1980/81 gegründet.

“Klang-Reise” lautete der Titel zahlreicher Konzerte, die es in den ersten Jahren seines Bestehens gab. Das fing in einer illegalen Erfurter Galerie an, führte in zahlreiche Kirchen und nach Jahren sogar in den (Ost-) Berliner “Palast der Republik”. Inzwischen hat es in 30 Ländern gastiert.

Zu DDR-Zeiten empfanden es die Musiker als notwendig und reizvoll, tabuisiertes und unerwünschtes Gebiet zu betreten. Die Hörer, deren Sehnsucht und Neugier schier unstillbar waren, folgten gebannt diesen Exkursionen. Der Name Karlheinz Stockhausen erwies sich dabei als Magnet – die Menschen kamen in Scharen. So fanden bis zum “Oktoberfrühling 1989” über 100 Konzerte mit seiner Musik in der DDR statt.

Nach der Grenzöffnung konnte das Ensemble 1990 erstmals vor Stockhausen spielen, der in einem Brief darüber schrieb: “…es war gut, daß ich Euch endlich im Konzert erlebt habe. Euch allen möchte ich danken: Ihr habt die Intuitive Musik lebendig gehalten. Wir werden gewiss gemeinsam diese eigenartige Musikform weiterentwickeln.” Im Anschluss an eine intensive Probenphase im Mai 1991 schrieb er nach Weimar: “DANKE für die Pfingsttage: auch für mich waren sie außerordentlich lehrreich, und Ihr seid einfach 4 Engel! Ich werde helfen, wann immer ich eine Chance bekomme, daß Ihr weitergeht in der Entdeckung, Klärung der Intuitiven Musik.” Im Mai 2005 spielte das Ensemble nach gemeinsamer Probenarbeit mit Stockhausen sechs Stücke aus seinem Zyklus FÜR KOMMENDE ZEITEN (1968-1970) erstmals auf CD ein, wobei der Komponist die Klangregie übernahm.

Charakteristisch für das Ensemble ist die enge Verzahnung zwischen Instrumenten und Live-Elektronik, wodurch nicht nur eine Fülle neuer Klangfarben entsteht, sondern auch bisher kaum vorstellbare kommunikative Prozesse ausgelöst werden. Das im Computer befindliche mobile Studio wird als Musikinstrument eingesetzt. Technik fungiert nicht mehr als ergänzendes Beiwerk, sondern als Bestandteil des instrumentalen Wechselspiels. Darüber hinaus übernimmt die Bewegung der Klänge im Raum eine wesentliche Rolle (8-kanalige Beschallung).

Seit Anfang der 90er Jahre widmet sich das EFIM hauptsächlich Eigenprojekten.
Es ist dabei stets auf der Suche nach “besonderen Orten”, deren Ausstrahlung Akteure wie Zuhörer in gleicher Weise beflügelt. Das können Parkanlagen ebenso sein wie Steinbrüche, die des Nachts geheimnisvoll illuminiert werden.
Zu den prägenden Erfahrungen gehörte 1993 das Konzert in einem Lavafeld in Mexico-City, in dem – bei Vollmond! – ein Werk über die vier Elemente vor 2000 begeisterten Menschen aufgeführt wurde: ERUPCION DE SONIDOS – AUSBRUCH DER KLÄNGE.
Im Jahr 2000 war es ein 670 Meter unter Tage in das Salz gefräster Konzertsaal, der die Hülle für das Werk KLANGSCHACHT SONDERSHAUSEN bot.

Ausgehend von Bauhaus-Traditionen wurden seit 1987 zahlreiche synästhetische Projekte realisiert. So konnten 1989/90 in den Zeiss-Planetarien in Jena und Berlin unter dem Titel VOM KLANG DER STERNE “abstrakte Farbvariationen im Kosmos” gestaltet werden. 2009 wurde das von Hans Tutschku konzipierte Projekt POLYVISION für Tanz, mehrdimensionale Projektion und Ensemble uraufgeführt.
Zu den bisher aufwendigsten Kreationen gehörte FLAMMENKLANG MEININGEN (1996) für 16 Heißluftballonbrenner, Tänzer, Chor, Ensemble und Zuspielband von Hans Tutschku. Die unterschiedlichsten Konfigurationen sechs Meter hoher Flammen korrespondierten in dem abendfüllenden Werk mit dem musikalisch-szenischen Geschehen im Englischen Garten der Residenzstadt.

Ob auf der EXPO 2000 in Hannover, auf den Festivals in Porto (2001), Warschau (2002), Rom (2003), Wien (2004) oder Brüssel (2006), stets ist das EFIM auf einer Klang-Reise, die neue Dimensionen des Hörens erschließen möchte. Bei Konzerten mit 192 Lautsprechern setzte es 2005 das Wellenfeldsynthesesystem IOSONO des Fraunhofer Instituts (Ilmenau) erstmals in einem Konzertsaal ein. 2006 nahm es bei einer USA-Tournee die Spuren auf, die über Lászlo Moholy-Nagy vom Weimarer Bauhaus zu John Cage führen. 2008 gastierte das Ensemble in Buffalo, Santiago de Chile und Litauen sowie 2009 in Österreich. Seit 2010 leitet es jährlich Seminare zur Interpretation Intuitiver Musik bei den Stockhausen-Kursen in Kürten.
Zu den Besonderheiten seines Wirkens dürfte gehören, dass es nicht nur eine Musik mit neuartigen Klängen präsentiert, sondern auch sogenannte “Sound-Scapes” (Klang-Schaften) aus fernen Städten und Landschaften aufzeichnet, um sie dann weiter zu verarbeiten und in spätere Aufführungen zu integrieren.

www.tutschku.com
www.neue-musik-thueringen.de