Spricht man über Franz Hautzinger, so spricht man über einen Freigeist, wie er im Buche steht, von einem Musiker, der seit Jahren seinen eigenen unverwechselbaren Weg geht und sich bislang, auch aufgrund seiner einzigartigen und unverwechselbaren Spieltechnik, erfolgreich jeglichen Kategorisierungsversuche erfolgreich entzogen hat. Kurz, es handelt sich um eine der profiliertesten Musikerpersönlichkeiten Österreichs.

Beheimatet fühlt sich der inzwischen oftmals ausgezeichnete Trompeter und Komponist, wie seine zahlreichen Projekte belegen, vor allem an den Schnittstellen zwischen den einzelnen zeitgenössischen Musikgattungen. Egal ob nun im Jazz, in der Improvisation und Elektronik, in der Neuen Musik, Avantgarde oder der Weltmusik. Hautzinger versucht durch sein Spiel, Brücken zu schlagen, stilistische Grenzen außer Kraft zu setzen, um etwas völlig Neues und etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Aufgrund dieser einzigartigen Fähigkeiten ist es also nicht wirklich verwunderlich, dass er in seinem Fach auch international zu den gefragtesten Musikern zählt.

Die Augen für die improvisierte Musik öffnete Franz Hautzinger ein Konzert von Hannibal Marvin Peterson in der Jazzgalerie Nickelsdorf. Der 1963 in Tadten im burgenländischen Seewinkel geborene Musiker studierte Trompete und Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz und am Konservatorium der Stadt Wien. Just zu dem Zeitpunkt an dem sich der Trompeter anschickte, eine musikalische Karriere einzuschlagen, zwang ihn eine Lippenlähmung zu einer langen Zwangspause. „Daraufhin war es mir für zehn Jahre nicht vergönnt einen einzigen Ton zu spielen, was mir sehr leid tat, weil ich die Trompete ja geliebt habe und nach wie vor liebe“, so Hautzinger in einem mica-Interview.

Ein Schicksalsschlag, der im Nachhinein jedoch eine positive Wende nach sich zog. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, machte der Musiker weiter. Er nutze die Zeit dafür, sich intensiv mit seinem Instrument auseinanderzusetzen und eine eigene Spieltechnik zu entwickeln, die es ihm ermöglichte, sich wieder musikalisch zu betätigen. Mehr noch, es stellte sich heraus, dass die Art und Weise, wie er sein Instrument fortan zu spielen in der Lage war, in der Jazzmusik schlicht und einfach einzigartig war. Niemand vermochte es der Trompete ähnlich schräge Töne und Klänge zu entlocken, wie es Franz Hautzinger tat.

„Ich war der einzige, der so eine Musik machte, das heißt ich konnte überall hingehen, es gab nirgends irgendwelche Reibungspunkte“. Eine Vorteil, den er bis heute für sich zu nutzen weiß. 1986 nach Wien übersiedelt fand er schnell Anschluss an die dortige Jazzszene. Er lernte unter anderem Christoph Cech und Christian Mühlbacher kennen und spielte in der Bigband „Nouvelle Cuisine“ und im Oktett „Striped Roses“. Es folgte die gemeinsam mit Helge Hinteregger eingespielte CD „Zong of se Boboolink“, die erstmals eine Ahnung über die musikalischen Visionen von Franz Hautzinger zuließ.

Für den Trompeter lehrreich war auch ein mehrmonatiger Aufenthalt in London im Jahre 1995, wo er unter anderem Kontakte mit Größen wie Kenny Wheeler, Henry Lowther, John Russell und Steve Noble Kontakte knüpfen konnte. Die während dieser Zeit gewonnenen Erkenntnisse setzte der Burgenländer in Folge in unterschiedlichen Projekten, wie etwa beim „Regenorchester“ oder im Trio „Speakers’ Corner“, um.

Seinen Platz an der Spitze der internationalen Impro-Szene erklomm Franz Hautzinger, der seit 1989 auch die Stelle des Lehrbeauftragten für Ensembleleitung, Komposition und Arrangement an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien inne hat, mit seiner Aufsehen erregenden Solo-Trompeten-CD „Gomberg“ im Jahre 2000. Die Veröffentlichung schlug allerorts hohe Wellen, erschuf der Trompeter mit einer Musik doch ein bis dato ein noch nie gehörte Klangsprache, in dem herkömmliche musikalische Begrifflichkeiten keine Anwendung mehr gefunden haben.

Bis heute sprechen Kenner der Szene von einer der wichtigsten und wegweisendsten Platten der europäischen Improvisationsmusik der letzten Jahre. Was folgte waren unzählige Konzerte im In- und Ausland sowie zahlreiche Kollaborationen und CD-Einspielungen mit international namhaften KünstlerInnen wie etwa mit Elliott Sharp, Gil Evans, Sainkho Namtchylak, John Cale, Christian Fennesz, Otomo Yoshihide, Butch Morris, Phil Niblock, Klaus Öhring, Lou Reed, Derek Bailey, the Temptations. John Tilbury, Tony Oxley und Joachim Kühn.

Bis zum heutigen Tage hat sich nichts an der Einstellung des Burgenländers geändert. Egal ob nun als Solokünstler oder als Mitglied diverser Formationen, Hautzinger präsentiert sich als ein Musiker, der seiner Zeit stets einen Schritt voraus ist. Die Liebe zum Experiment sowie seine Neugier nach dem Neuem beflügeln den Trompeter zu ungeahnten kreativen Höchstleistungen. Mit seiner Fähigkeit, sein Trompetenspiel immer wieder neu zu erfinden, darf angenommen werden, dass dieser außergewöhnliche Musiker das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht hat. (Michael Ternai)