Mimesis und musikalische Konstruktion

Donnerstag, 7. November 2019, 20 h (Saal 1)

Lecture, Experimente und Gespräche mit CHICO MELLO und Reinhard Gagel

Mit Mimesis bezeichnen wir ein mimetisches Vermögen, das heißt, eine allgemeine menschliche Fähigkeit, Ähnlichkeiten zu erkennen und zu produzieren. In diesem Labor geht es um Mimesis als Motor für improvisatorische und musikalisch konstruktivische Prozesse, also um Grundlagen des Improvisierens. Chico Mello, Komponist aus Berlin, hat dazu ein Buch geschrieben und darüber wollen wir im Gespräch und im Experimentieren mit anwesenden MusikerInnen gemeinsam theoretisch und praktisch forschen.

„Mein Interesse an Mimesis entstand aus der Beobachtung der Entwicklung des Kindes: wie sich die Welt für ein Kind durch Kontakt (Wahrnehmung) allmählich in inneren Repräsentationen („Kopien“) verdoppelt. Wie wird die Umwelt (Klänge, Gerüche, Bilder, Farben) wahrgenommen, bevor sie durch Benennungen (Kopien) erschlossen werden kann? Das heißt: Welchen Charakter hat ein Kontakt, der nicht gleich nach Analogien oder Kausalverkettungen sucht, sondern zuerst für lange Zeit bei der „reinen“ Wahrnehmung verweilt?

Bei meiner Forschung ging um das Aufspüren des Paradox-, des Zwischencharakters der Mimesis als Motor kompositorischer Prozesse. Genau in dem instabilen Zustand zwischen Wahrnehmen und Benennen, zwischen Kontakt und Repräsentation, zwischen Körper und Konvention entfaltet sich meines Erachtens die freie kreative Kraft, sodass das mimetische Vermögen eine temporäre Befreiung vorgegebener symbolischer Welten bewirkt. Die Erfahrung dieses Schwellenzustandes ist auch beim Komponieren oder Improvisieren instabil, prekär, häufig der Verdrängung ausgesetzt. Diese Erfahrung kann auch dem Rezipienten mimetisch, das heißt, ansteckend vermittelt werden.“

 

Ansprechpartner:

Reinhard Gagel, 0176 59974443,

Anmeldung nicht erforderlich

Eintritt: 5 Euro

 

Einen Überblick über bereits vergangene Laborveranstaltungen gibt es hier.