Die Violinistin Angharad Davies und der Kontrabassist Werner Dafeldecker verbinden ihre langjährige Praxis im Bereich der experimentellen und improvisierten Musik. Beide sind international für ihre präzise, differenzierte Klangsprache und ihr feines Gespür für mikrotonale Prozesse bekannt. In ihrer Zusammenarbeit untersuchen sie das akustische Potenzial ihrer Instrumente im direkten Dialog. Im Zentrum steht die Erkundung von Übergängen zwischen reiner Stimmung und mikrotonalen Schwebungen, zwischen kontrollierter Geste und spontaner klanglicher Entwicklung. Erweiterte Spieltechniken treffen auf eine bewusst reduzierte klangliche Palette. Davies und Dafeldecker übertragen ihre individuellen künstlerischen Forschungen in einen offenen gemeinsamen Prozess – eine akustische Erkundung jenseits fester stilistischer Zuordnungen, an der Schnittstelle von Komposition und Improvisation sowie von Struktur und Offenheit.
Angharad Davies ist Violinistin aus Wales und lebt in London. Sie arbeitet im Bereich der freien Improvisation, Komposition und Performance. Ihr Zugang zu Klang basiert auf aufmerksamen Hören und auf der Erkundung jenseits der klanglichen und performativen Konventionen ihres Instruments und ihrer klassischen Ausbildung. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit ist kollaborativ geprägt. Sie spielt in langjährigen Duos mit Tisha Mukarji, Dominic Lash und Lina Lapelyte sowie in Ensembles wie Common Objects, Cranc und Skogen. Ihre Aufnahmen erscheinen auf Labels wie Another Timbre, Confront Recordings, Emanem, Potlatch, NI VU NI CONNU und weiteren. Neben ihrer improvisatorischen Praxis erhält sie Kompositionsaufträge, unter anderem vom London Contemporary Music Festival, Explore Ensemble und GBSR Duo.
Werner Dafeldecker, in Wien geboren, ist Musiker, Komponist und Klangkünstler und lebt in Berlin. Seit den 1980er-Jahren arbeitet er im Bereich experimenteller und elektroakustischer Musik. 1992 gründete er gemeinsam mit Michael Moser das Ensemble Polwechsel, das die Entwicklung zeitgenössischer experimenteller Musik international geprägt hat. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Strukturierung musikalischer Prozesse, die Erweiterung instrumentaler Spieltechniken sowie die Verbindung akustischer Instrumente mit elektronischen und computerbasierten Verfahren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung von Klang im Raum sowie auf der Arbeit mit Außenaufnahmen. Seine Projekte entstehen häufig im Kontext interdisziplinärer Bezüge, unter anderem zu Architektur, Film und bildender Kunst. Seine Arbeit ist in zahlreichen Tonträgerveröffentlichungen dokumentiert.
Die Sängerin und Klarinettistin Isabelle Duthoit, die Pianistin und Klangkünstlerin Pascale Berthelot und der Gambist Atsushi Sakai bilden ein Trio zwischen alter und experimenteller Musik – unter dem Motto: Puissance de la douceur, die Kraft der Sanftheit. In dieser Besetzung treffen Stimme, Viola da Gamba und Clavichord aufeinander und eröffnen ein gemeinsames Feld der Klangforschung. Im Zentrum steht die Erkundung von gezupften, gestrichenen, geblasenen und vokalen Materialien – von archaischen, rauen Klanggesten bis hin zu feinen, reduzierten und transparenten Texturen. Barocke Spielpraktiken und zeitgenössische Improvisation treten dabei in einen offenen Dialog. Das Trio versteht seine Arbeit als Prozess, in dem sich individuelle musikalische Erfahrungen, historische Bezüge und gegenwärtige Klangforschung überlagern. Musik entsteht als Spur von Begegnung – zwischen Körper, Instrument und Raum, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kraft und Zartheit.
Isabelle Duthoit ist eine französische Musikerin, die in den Bereichen freie Improvisation, zeitgenössische Musik und Performance arbeitet. Ihre Praxis verbindet Klarinette und eine stark erweiterte vokale Sprache, die sich aus Atem, Geräusch, Klang und Stimmfragmenten entwickelt. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf freier Improvisation sowie auf interdisziplinären Projekten mit Musik, Theater und Tanz. Sie arbeitet regelmäßig in internationalen Ensembles und Projekten der experimentellen Musikszene, u. a. in Triolid, Krizda, Rose and Stomach, 4 Walls + 2 und Hiatus. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Stimme als eigenständigen Klangkörper jenseits konventioneller Gesangstechniken und als unmittelbares, körperlich verankertes Ausdrucksmittel.
Pascale Berthelot ist Pianistin, Improvisatorin und Komponistin. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen zeitgenössischer Musik, Improvisation und interdisziplinären künstlerischen Projekten. Sie ist ausgebildet am CNSMD Lyon und war Stipendiatin des Centre Acanthes sowie Preisträgerin der Fondation Cini – Archivio Luigi Nono. Eine prägende Zeit verbrachte sie in der Villa Medici – Académie de France à Rome. Ihre künstlerische Praxis verbindet interpretatorische Arbeit, Komposition und ein offenes Verständnis von Klang als Prozess. Sie veröffentlicht u. a. bei Sony, Mode Records und La Buissonne und war künstlerische Leiterin der Reihe CUICATL. Neben ihrer musikalischen Tätigkeit arbeitet sie auch im pädagogischen und art-therapeutischen Kontext.
Atsushi Sakai ist Gambist, Cellist, Dirigent und Komponist. Seine Arbeit umfasst historische Aufführungspraxis, zeitgenössische Musik und improvisierte Formen. Er arbeitet als Continuospieler mit Ensembles wie Les Talens Lyriques und Le Concert d’Astrée und ist Mitbegründer des Quatuor Cambini-Paris, das auf historischen Instrumenten spielt. Als Dirigent ist er u. a. an Häusern wie dem Opéra de Lille, der Opéra Comique und dem Grand Théâtre de Genève tätig. Gleichzeitig ist er in der improvisierten und zeitgenössischen Musikszene aktiv und arbeitet mit Musiker*innen wie Christophe Monniot, David Chevallier und Guillaume Roy. Seine Arbeit verbindet historische Praxis, Komposition und Improvisation in einem breiten künstlerischen Feld zwischen verschiedenen musikalischen Zeiten und Kontexten.
Workshop mit Isabelle Duthoit am 8.–10.05.26 im exploratorium berlin: Diving into our depths in search of truth, Workshop for vocal improvisation