Zwei Duos mit starken Stimmen begegnen sich an einem Abend: Phil Minton, Ikone der improvisierten Vokalkunst, und Ignaz Schick, Protagonist der Echtzeitmusik und prägender Vertreter der europäischen Improvisationsszene, entfalten einen offenen, unmittelbaren Dialog zwischen Stimme, Turntables und Objekten – jenseits fester Grenzen von Sprache, Geräusch und Musik. Saadet Türköz trifft mit ihrer kraftvollen, warmen Stimme auf Anaïs Tuerlinckx und ihr erweitertes, geräuschintensives Klavierspiel. Gemeinsam entsteht ein dichter, imaginativer Raum zwischen Traum und spannungsreicher Intensität.
Wenn Phil Minton und Ignaz Schick erstmals als Duo zusammentreffen, begegnen sich zwei Künstler, die die europäische Improvisationsmusik seit Jahrzehnten auf je eigene Weise geprägt haben. Mintons radikale Erweiterung vokaler Ausdrucksmöglichkeiten und Schicks Arbeiten mit Turntables, Objekten und elektroakustischen Klangquellen eröffnen einen offenen Raum des Hörens und Reagierens. Stimme, Material, Geräusch und Geste treten in einen unmittelbaren Dialog, dessen Verlauf sich vollständig aus dem Moment heraus entfaltet. Phil Minton zählt zu den einflussreichsten und eigenständigsten Stimmen der improvisierten Musik. Seit den 1970er Jahren hat er die Möglichkeiten vokalen Ausdrucks kontinuierlich erweitert und eine unverwechselbare Klangsprache entwickelt, die Gesang, Sprache, Geräusch und körperliche Artikulation miteinander verbindet. Er arbeitete unter anderem mit Derek Bailey, Peter Brötzmann, Fred Frith, Veryan Weston und Audrey Chen sowie zahlreichen weiteren Protagonist*innen der internationalen Improvisationsszene. Neben Solo- und Ensembleprojekten wurde insbesondere sein partizipatives Format Feral Choir international bekannt. Ignaz Schick ist Komponist, Klangkünstler, Kurator und einer der profiliertesten Vertreter der Berliner Echtzeitmusikszene. Seine Arbeit bewegt sich zwischen freier Improvisation, elektroakustischer Musik, Turntablism, Klangkunst und experimenteller Komposition. Seit den 1990er Jahren entwickelt er eine eigenständige Praxis, in der Schallplatten, Objekte, Feldaufnahmen und elektronische Klänge zu vielschichtigen akustischen Situationen verschmelzen. Schick ist international in unterschiedlichen Kontexten aktiv und an zahlreichen interdisziplinären Projekten beteiligt.
Auch die Musik von Saadet Türköz und Anaïs Tuerlinckx lebt von der Kraft des spontanen Zusammenspiels. Türköz’ unverwechselbare Stimme bewegt sich zwischen Gesang, Sprache, Erinnerung und klanglicher Abstraktion. Im Zusammenspiel mit dem präparierten Klavier von Tuerlinckx entsteht ein vielschichtiger Resonanzraum: fragil und zugleich kraftvoll, geprägt von feinen Texturen, eruptiven Verdichtungen und einer gemeinsamen Aufmerksamkeit für Klang als lebendige, sich stetig wandelnde Form. Saadet Türköz ist Sängerin, Improvisatorin und Klangpoetin. Geboren in Istanbul und aufgewachsen in Zürich, verbindet sie in ihrer Arbeit Einflüsse aus zentralasiatischen und anatolischen Traditionen mit zeitgenössischer Improvisation und experimenteller Vokalkunst. Ihre Musik kreist um Erinnerung, Sprache, Identität und die klanglichen Möglichkeiten der Stimme. Türköz arbeitet international mit Musiker*innen unterschiedlichster Hintergründe zusammen und entwickelt eine unverwechselbare musikalische Sprache zwischen Erzählung, Gesang und freier Klanggestaltung. Anaïs Tuerlinckx ist Pianistin, Improvisatorin und Komponistin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Klavier als erweitertes Instrument und Resonanzkörper. Durch Präparationen, Objekte und ungewöhnliche Spieltechniken erschließt sie ein breites Spektrum an Klangfarben und Texturen, das sie sowohl in Soloarbeiten als auch in kollaborativen Kontexten entwickelt. Ihre Musik bewegt sich zwischen Improvisation, experimenteller Klangforschung und zeitgenössischer Komposition. In ihren Arbeiten untersucht sie die poetischen und materiellen Eigenschaften von Klang sowie die Beziehungen zwischen Hören, Raum und Bewegung.
19:00: soundwalk mit Thomas Gerwin