A String is a String is a String ist ein viertägiges Festival, das sich der Familie der Saiteninstrumente im Kontext zeitgenössischer Improvisation widmet. Aus Anlass des 75. Geburtstags des australischen Geigers, Komponisten, Instrumentenentwicklers, Autors und Klangkünstlers Jon Rose richtet das Festival den Blick auf eine künstlerische Praxis, die den Umgang mit Saiteninstrumenten nachhaltig verändert hat. Seit mehr als fünf Jahrzehnten lotet Jon Rose die Möglichkeiten von Streich- und anderen Saiteninstrumenten durch Improvisation, Komposition, Instrumentenbau, Performance und künstlerische Forschung aus. Statt nur auf sein außergewöhnliches Lebenswerk zurückzublicken, versteht das Festival seine Ideen als lebendige künstlerische Praxis – erfahrbar in Konzerten, Begegnungen, Filmen und Gesprächen.
Der dritte Festivalabend setzt die Auseinandersetzung mit Jon Roses kompositorischem Denken mit Clock, einem seiner Performancekonzepte, fort. Eine präzise strukturierte Zeitpartitur bildet den Rahmen für eine sich ständig wandelnde Folge instrumentaler Konstellationen, in der kompositorische Gestaltung und spontane Entscheidungen der Musiker*innen ineinandergreifen.
Im zweiten Set, Selections, gestalten die Musiker*innen das Programm selbst: Sie bilden Trios und Quartette nach eigener Wahl und entwickeln eine Reihe unterschiedlicher improvisierter Begegnungen. Beide Teile des Abends zeigen zwei sich ergänzende Formen gemeinsamer musikalischer Gestaltung – die Verbindung von vorgegebener Struktur und individueller künstlerischer Initiative.
Über Jon Rose
Nach der Beendigung seiner formalen musikalischen Ausbildung im Alter von fünfzehn Jahren entwickelte Jon Rose eine eigenständige künstlerische Praxis, die von freier Improvisation und zeitgenössischer Komposition über Klanginstallationen und Radiokunst bis hin zu Umweltprojekten und experimentellem Instrumentenbau reicht. Als eine zentrale Figur der australischen freien Improvisation entwickelte er vor seinem Umzug nach Berlin im Jahr 1986 sein Langzeitprojekt The Relative Violin. Dabei entstanden mehr als dreißig neue Instrumente, er erprobte erweiterte Aufführungsformate und interaktive Elektronik und entwarf alternative Perspektiven auf die Geschichte und Möglichkeiten der Violine. Roses Arbeit hinterfragt kontinuierlich traditionelle Vorstellungen vom Instrument und eröffnet neue Wege, darüber nachzudenken, was Saiteninstrumente sein und leisten können. Seit 2001 arbeitet er verstärkt im australischen Outback an groß angelegten Umweltprojekten wie The Great Fences of Australia sowie an Kooperationen mit indigenen Gemeinschaften, darunter The Wild Violins of Warmun und das fortlaufende Projekt Singing Telegraph. Er ist Autor von vier Büchern, Gründer des Rosenberg Museum – einer einzigartigen Sammlung von mehr als 1000 geigenbezogenen Artefakten – und erhielt für sein Lebenswerk den australischen Don Banks Music Award. 2025 wurden er und seine Frau, die Geigerin und Komponistin Hollis Taylor, mit dem Richard Gill Award for Distinguished Services to Australian Music ausgezeichnet.
https://www.jonroseweb.com/
Festival-Ensemble
Vinicius Cajado ist ein brasilianischer Kontrabassist mit Wohnsitz in Deutschland, dessen Arbeit sich zwischen freier Improvisation, zeitgenössischer Musik, Stille und Noise bewegt. Sein Spiel verbindet minimalistische und hochenergetische Ansätze und basiert auf deep listening als Praxis von Empathie, Austausch und Transformation. Neben seiner internationalen Konzerttätigkeit unterrichtet er Kontrabass und erweiterte Spieltechniken an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.
Audrey Chen ist eine taiwanisch-amerikanische Musikerin mit Wohnsitz in Berlin, die mit Stimme, Cello und analoger Elektronik arbeitet. Nachdem sie ihre klassische Ausbildung hinter sich gelassen hatte, entwickelte sie eine zutiefst persönliche improvisatorische Sprache, die auf erweiterten vokalen und instrumentalen Spieltechniken sowie nichtlinearen Formen des Erzählens basiert. Während sie lange Zeit für die Verbindung von Stimme, Cello und Elektronik bekannt war, rückt in ihren jüngeren Arbeiten die Stimme zunehmend wieder als zentrales Instrument in den Mittelpunkt.
Rhodri Davies ist ein walisischer Harfenist, Improvisator, Komponist und multidisziplinärer Künstler, dessen Arbeit akustische und elektrische Harfen, experimentellen Instrumentenbau und Klanginstallationen umfasst. Seine künstlerische Praxis erweitert die Möglichkeiten der Harfe durch ortsspezifische Werke, die mit elementaren Materialien wie Wind, Wasser, Eis und Feuer arbeiten. Neben seiner improvisatorischen Tätigkeit hat er durch enge Zusammenarbeit mit Komponist*innen maßgeblich zur Erweiterung des zeitgenössischen Repertoires für Harfe beigetragen.
Meinrad Kneer ist ein deutscher Kontrabassist, Komponist und Improvisator mit Wohnsitz in Berlin, dessen Arbeit sich zwischen improvisierter Musik, zeitgenössischer Komposition und interkulturellen Musikpraktiken bewegt. Neben seiner Konzerttätigkeit ist er Gründer des Labels Evil Rabbit Records, das sich zeitgenössischer improvisierter Musik widmet. Seit 2025 ist er zudem Künstlerischer Leiter des Festivals FEST:Spiele Oberschwaben.
Aleks Kolkowski ist ein Komponist, Geiger und Forscher mit Wohnsitz in Málaga, dessen Arbeit historische Klangaufnahmetechnologien, obsolete Medien und Live-Performance miteinander verbindet. Mit mechanisch-akustischen Instrumenten, analogen Aufnahmeverfahren und Archivklängen erforscht er zeitgenössische Formen des Hörens durch Technologien der Vergangenheit. Neben seiner künstlerischen Praxis hatte er Forschungspositionen an mehreren bedeutenden Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen inne und ist Mitautor des Buches Doing Experimental Media Archaeology: Practice.
Bob Ostertag ist ein US-amerikanischer Komponist, Performer, Autor und Medienaktivist, dessen Arbeit die experimentelle elektronische Musik seit mehr als vier Jahrzehnten geprägt hat. Als Pionier des kreativen Einsatzes von Sampling und Live-Elektronik arbeitet er an der Schnittstelle von Improvisation, Komposition und Technologie und setzt sich dabei kontinuierlich mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander. Neben seiner musikalischen Praxis hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht und in den Bereichen Film, Performance und interdisziplinäre Kunst gearbeitet.
Olaf Rupp ist ein deutscher Gitarrist, der mit akustischer und elektrischer Gitarre im Bereich der improvisierten Musik arbeitet. Er hat eine hochgradig eigenständige musikalische Sprache entwickelt, die auf der radikalen Integration instrumenteneigener und erweiterter Spieltechniken basiert und sich insbesondere mit Resonanz, Obertönen und den physikalischen Eigenschaften des Klangs beschäftigt. Seine Aufnahmen sind auf zahlreichen Labels erschienen, die sich experimenteller und improvisierter Musik widmen.
Zsolt Sőrés ist ein ungarischer Experimentalmusiker, Komponist, Klangkünstler und Forscher mit Wohnsitz in Berlin. In den Bereichen freie Improvisation, elektroakustische Musik und Klangkunst erforscht er erweiterte Spieltechniken für Streichinstrumente, Live-Elektronik sowie die Beziehung zwischen Instrument, Geste und Raum. Im Zentrum seiner jüngeren Arbeiten steht die sensorerweiterte PolyViola, die als Plattform für neue Formen experimenteller Performance und Improvisation entwickelt wurde.
Caroline Cecilia Tallone ist eine Schweizer Musikerin und Instrumentenbauerin mit Wohnsitz in Berlin, die mit Drehleier, Elektronik und experimentellem Instrumentenbau arbeitet. Ausgehend von ihrer Ausbildung in klassischer Musik, Alter Musik und Volksmusik hat sie eine eigenständige Praxis im Bereich experimenteller, elektroakustischer und improvisierter Musik entwickelt, deren Zentrum eine präparierte elektroakustische Drehleier bildet. Neben ihrer Konzerttätigkeit beschäftigt sie sich mit Instrumentenbau sowie mit künstlerischer Forschung zu Komposition über die Medien Klang, Bewegung und Bild.
Jon Rose wird unterstützt von: Australian Government / Creative Australia