exploratorium_2021-1

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Januar 2021

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2021Fr01Jan0:00So31(Jan 31)23:59Keine Präsenzveranstaltungen bis 31.1.2021 möglich0:00 - 23:59 (31) Bühne:Improvisation InternationalLernraum:Wochenend-WorkshopSpielraum:Offene Bühnen

Zeit/Time

Freitag, 01. 01. 2021 | 0:00 - Sonntag, 31. 01. 2021 | 23:59

Inhalt/Content

Aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung sind bis 31. Januar 2021 im exploratorium keine Präsenz-Veranstaltungen möglich.

Zur Linderung kultureller Mangelerscheinungen bietet unsere explorative Hausapotheke stattdessen:

Wir wünschen gutes Durchhalten und freuen uns auf bessere Zeiten!

2021Fr01Jan0:00So31(Jan 31)0:00EmpfehlungLockmusik – Improvisieren in Zeiten von CoronaAnregungen für zu Hause aus unserem Dozent*innen-Team0:00 - 0:00 (31) Lernraum:Regelmäßige Kurse

Zeit/Time

Freitag, 01. 01. 2021 | 0:00 - Sonntag, 31. 01. 2021 | 0:00

Inhalt/Content

Thomas Gerwin

Eine kleine Hausmusik 2 (2020)

Musikalische Raum-Erkundungen allein

Die eigenen Räume sind alltäglich, bekannt und gewohnt – vielleicht bergen sie aber doch auch noch so manches unentdeckte musikalisch-künstlerische Potential. Die folgenden kleinen Konzeptimprovisationen möchten dazu anregen, dies in aller Ruhe für sich ganz persönlich zu entdecken.
Dabei sollen jeweils unterschiedliche Aspekte und Qualitäten eines bestimmten Ortes (= einer genau definierten Stelle innerhalb der Wohnung) im Vordergrund stehen. Wichtig ist dabei, wirklich alle Räume und Durchgänge sowie Bad oder Balkon, Abstellkammer etc. einzubeziehen. Es gibt für diese Art des künstlerischen Experimentes keine „wichtigen“ oder „unwichtigen“ Orte. Außerdem unterziehen wir in diesem Projekt Wertungen wie „schön“ oder „dissonant“ einer kritischen Prüfung, um zu Qualitäten wie „abwechslungsreich“, „interessant“ oder „stimmig“ zu kommen.

Eigenton

Jeder Raum hat einen eigenen Ton, eine Eigenfrequenz, die sich aus der Summe aller seiner Umstände, z.B. der Größe und den Proportionen der Maße von Wänden und Decke sowie dem Material der Wände und Möbel und Böden etc. ergibt. Der Eigenton kann an verschiedenen Orten eines Raumes unterschiedlich sein.
Versuche, mit einem Instrument den Eigenton bestimmter Orte Deiner Wohnung zu finden und experimentiere damit, ihn dort zu spielen sowie langsam oder schnell von ihm weg und wieder zu ihm hin zu gehen. Was passiert, wenn dieser Ton sehr lange gespielt wird?

Akustik

Jeder Ort zeichnet sich auch durch eine bestimmte Akustik aus, die dort erzeugte Töne, Klänge oder Geräusche auf bestimmte Weise erkennbar färbt. Auch die Akustik kann an verschiedenen Orten eines Raumes unterschiedlich sein.
Spiele mit der Akustik eines Ortes. Finde heraus, welche Töne und Klänge dort am besten zur Geltung kommen. Experimentiere mit Instrumental- und mit Materialklängen.

Material

Jeder Ort kann auch selbst zum Instrument werden, indem er selbst sowie alles, was sich dort befindet, auf verschiedene Weise zum Klingen gebracht wird.
Experimentiere an bestimmten Orten mit den dort befindlichen Gegenständen, auch den Wänden und dem Boden. Finde an bestimmten Orten heraus, welche Klänge sich besonders gut erzeugen lassen und wie sie zueinander passen.

Charakter

Jeder Ort hat außerdem einen bestimmten Charakter, der sich einerseits aus seiner Funktion ergibt und andererseits mit seinen materialen Gegebenheiten und Proportionen korrespondiert.
Finde die verschiedenen besonderen Charaktere bestimmter Orte in Deine Wohnung heraus, definiere sie und experimentiere damit, wie bestimmte Klänge, Melodien, Rhythmen oder andere musikalische Strukturen damit harmonieren, den Charakter stören oder auch (seltsam?) bereichern.

Tageszeit

Bestimmte Orte der Wohnung werden zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten unterschiedlich und auf bestimmte Weise genutzt oder frequentiert.
Finde dies für alle bisher bespielten Orte Deiner Wohnung heraus und fertige einen kleinen Kalender darüber an, was an welchem Ort normalerweise wann geschieht. Experimentiere damit, dies musikalisch zu begleiten, zu kontrapunktieren oder auch damit, bestimmte Tageszeiten einmal am selben oder an andere Orte zu „verpflanzen“.

Fertige eine Übersicht der bisher entdeckten Orte in Deiner Wohnung an. Versuche, noch weitere und zu den bisher bespielten unterschiedliche Orte zu finden.

Mache Dir immer wieder Notizen über neu entdeckte Möglichkeiten anhand von ortsspezifischen Aspekten und ihrer musikalischen Aussage und/oder Wirkung.

Versuche, bestimmte, besonders interessante musikalische Wirkungen nochmals zu erzielen und die dazu genutzten Praktiken Deinem musikalischen Repertoire einzufügen.

Kombiniere nun an einem Ort unterschiedliche der fünf Aspekte. Erstelle aus der Abfolge musikalischer Gestaltungen unter verschiedenen Aspekten unterschiedliche musikalische Prozesse variabler Längen.

Verbinde und vergleiche nun zwei unterschiedliche Orte, indem Du eine bestimmte Abfolge von musikalischen Aspekten an beiden Orten improvisierst.

Experimentiere ausgiebig mit der musikalischen Wirkung gleicher Aspekte an unterschiedlichen Orten.

Beziehe nun Deine Bewegung im Raum während der Kombination verschiedener Aspektabfolgen an unterschiedlichen Orten in die musikalische Gesamtgestaltung Deiner Improvisationen mit ein.

Experimentiere damit, wie sich Klänge oder Strukturen während der Standortveränderung und durch die Bewegung selbst verändern.

Improvisiere nun aus der Abfolge verschiedener musikalischer Gestaltungen an unterschiedlichen Orten stationär oder auch in der Bewegung eine musikalische Choreographie.

Versuche, diese Choreographie mit Bewegung und gleichzeitiger Ruhe zu wiederholen und reflektiere die Art der Unterschiede.

Improvisiere neue Choreographien nach Konzept oder völlig frei. Reflektiere und vergleiche die Prozesse und Ergebnisse.

Improvisiere im Dialog mit Deiner Umgebung.

Diese Konzeptimprovisationen knüpfen – aus gegebenem Anlass – an “Eine kleine Hausmusik” (10 aufeinander aufbauende Etüden zur Erforschung der Klanglichkeit des Normalen und zur Gruppen-Improvisation damit) von 1987 an.

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Klaus Holsten:

In Zeiten von Social Distancing…

… sind wir herausgefordert, für eine ganze Reihe selbstverständlich gelebter Beziehungen neue Formen zu finden, und die Situation fordert uns auf, mit vielen bisherigen Selbstverständlichkeiten prüfend und wertschätzend in Resonanz zu gehen.

Viele Tipps, wie wir die Tage des Social Distancing sinnvoll und lustvoll überstehen können, gehen dahin, sich vermehrt elektronischer Medien zu bedienen. Dass das möglich ist, dürfte für viele ein Segen sein. Wie wäre es jedoch, darüber hinaus die mentalen Ebenen der Wahrnehmung und der Kommunikation zu intensivieren, mit allem, was du bist und was dich umgibt, in einen lebendigen Kontakt zu gehen und dies Erlebnis musikalisch resonieren zu lassen?

Du bist allein in Deinem Zimmer:

  • Wähle einen Gegenstand, den du siehst, gehe mit ihm in Beziehung und mache eine Musik aus dem Erlebnis dieser Situation.
  • Wähle einen anderen Gegenstand, der dem ersten ähnlich oder entgegengesetzt ist und gehe in denselben Prozess.
  • Nimm wahr, was du erlebt hast – worin sich die zwei Erlebnisse unterschieden oder ähnelten. Beobachte dich, die Gegenstände und die Musik, die du gemacht hast.
  • Finde heraus, warum du gespielt hast: für dich? – für den Gegenstand? – aus der gemeinsamen, von dir wahrgenommenen Gegenwart? – wegen ?? – aus ??
  • Wähle bewusst Gegenstände, die völlig verschiedene Welten repräsentieren, gehe ins Musikmachen und beobachte deine unglaubliche musikalische Vielfalt, die daraus erwächst.
  • Lass dich von Ästhetischem berühren – und lass es klingen.
  • Lass dich von Grenzwertigem, Hässlichem und Herausforderndem inspirieren – und spiele oder singe, wie du vielleicht noch nie gespielt oder gesungen hast.
  • Beobachte, was für eine musikalische Form entsteht, wenn du die beiden musikalischen Welten miteinander agieren lässt.
  • Ersetze den Gegenstand aus deinem Zimmer durch eine Person, die du nicht besuchen kannst – ein ganz anderer Kosmos wird aufgehen. Vielleicht nimmt die andere Person dies ja wahr, ganz ohne elektronische Übertragung? Vielleicht nimmst du die andere Person durch dein Spielen ganz anders wahr, als wenn du ihr real begegnen würdest.
  • Schau aus dem Fenster und nimm wahr – schließe die Augen und mache Musik.
  • Versuche herauszufinden, ob der Baum vor deinem Fenster dich hören oder wahrnehmen kann.
  • ?????
  • ?????

Diese Vorschläge skizzieren nur mögliche Schritte. Wer diese, ähnliche oder ganz andere geht, wird merken, dass bei ausreichender Konzentration auf einen gemachten Schritt ein nächster folgt, und dass dieser vielleicht in eine Richtung geht, die noch gar nicht gedacht wurde – oder auch zum Innehalten, bei dem unspielbare Musik oder einfach Stille entsteht.

Wichtig scheint mir, dass wir überhaupt musikalische Schritte gehen, Schritte, die unsere eigenen werden und Beziehungen entstehen lassen, in denen sich das Wort Distancing ins Gegenteil verwandelt. Nehmen wir es als Chance!

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Tayfun Guttstadt:

Orientalische Musik lernen

 

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Agnes Heginger:

Handmusik

Schau Deine Hand an

…wie klingt Deine Hand?
…kommt ein Ton? Ein Geräusch? Dein Atem?

Deine Hand bewegt sich vor Deinen Augen hin und her, Deine Augen folgen

und mit der Bewegung verändert sich Ton/ Geräusch/ Atem
das geht wie von selbst…

Deine Hand tanzt

…sie bewegt sich auf und nieder, dreht sich hin und her…

…verändert sich Dein Ton?
Wie klingt Deine Hand?
Wie klingt der Tanz Deiner Hand?

Deine Hand ist frei wie der Wind, sie kann tanzen so weit Dein Auge reicht
mal ist sie ganz nah, mal weht sie weit weg
und mit ihr tanzt Dein Ton, tanzen Deine Töne, Deine Klänge, Dein Atem

Das ist Hand-Musik! Und das geht ganz alleine und ist viel spannender als Fernsehen 🙂

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Reinhard Gagel:

Housemusik – Hausmusic

erfunden oder gesammelt von Reinhard Gagel.

Das sind Vorschläge für online-Musizieren. Situation: jede vor ihrer Kamera in einem anderen Zuhause. Verbunden über Zoom, Jitsi usw. (Technische Details erläutere ich hier nicht).

Utensilien 1 (Reinhard Gagel)

Hol dir aus deinem Zimmer in deiner Wohnung einen Gegenstand der klingt. Zeige ihn, bespiele ihn.

Mache daraus…

  • … ein Solo: Du kannst deine Stimme verwenden, Texte erfinden, was dir grade einfällt.
  • … einen Dialog: Suche dir jemanden aus, mit dem spielen willst.
  • … eine Art Rundspiel: Am Ende deines Spielens sag, wie er es fortsetzen soll.

Steigere die Intensität, indem du dir Szenarien vorstellst: z.B. im anderen Zimmer der Wohnung ist jemand, der nichts hören soll. Außerhalb der Wohnung geschieht etwas, reagiere darauf.

Wünsche (RG)

Wünsch dir von den anderen, was du gerne hören möchtest, nur für dich. Die anderen sollen für dich spielen. Macht dieses Wunschspiel reihum.

Utensilien 2 (RG)

Spiele auf deinem Instrument, mit einem Gegenstand im Raum, mit Besteck oder Stiften. Mache einen Rhythmus, lade andere ein mitzumachen.

Erzählen (RG)

Erzähle etwas, was dir im Moment wichtig ist, was mit der Situation, in der Wohnung eingeschlossen zu sein, zu tun hat. Erzähle es und lass die anderen musikalisch agieren. Die anderen wählen eine Strategie, mit der sie das ganze Erzählgeschehen begleiten. Diese Strategie soll nicht verlassen werden, sondern immer modifiziert werden.

Beispiel:
B erzählt, Was sie morgens auf dem Balkon sieht.
Ensemble: Jemand spielt mit der Erzählung bei jeden zweiten Wort. Jemand übernimmt die Vögel. Jemand versucht die Stimmung abzuspüren. Alle diese jemands sollen im Verlaufe der Erzählung nicht von ihrer Strategie abweichen, sondern Modifikationen finden.

Songlines (RG)

Wir singen ein gemeinsames Lied, das wir vorher verabreden. Dieses Lied kann mitgesungen werden, es kann begleitet werden, es kann karikiert werden, und so weiter. Wichtig ist, dass das Lied erkennbar bleibt und das Zentrum des Interesses.

Drinks (Christian Wolff, Scratch Anthology)

Holt euch in verschiedene Gefäßen Getränke. Wenn du magst, trinke. Wenn du magst, mach Sounds. Die Behälter können jederzeit neu gefüllt werden. (möglichst nah am Mikro!)

Bildmusik (RG)

  • Zeigt ein Bild, das euch wichtig ist, und erläutert es auf eine Weise, die keine Worte hat.
  • Zeigt alle ein Bild in die Kamera. Versucht, das Bild vor der Kamera zu fixieren. Dann spielt eine Gruppenimprovisation.
  • Gemeinsame Improvisation: Nehmt ein Bild auch als “Instrument”: zeigt das Bild, wenn es euch musikalisch sinnvoll erscheint. Setzt es als Kommentar, als Impuls ein.
  • Erzählt das Bild mit Klängen, ohne dass es sichtbar ist

Timer (RG)

Spielt nach einer Uhr. Wenn ihr einen Timer habt, stellt ihn auf Repeat eine Minute. Es sollen immer 40 Sekunden gespielt werden und zwanzig Sekunden Pause sein.
a) Beginnt gemeinsam, spielt 40 Sekunden Stücke und 20 Sekunden Pause.
b) Beginnt unterschiedlich: Spiel ab da, aber den Verlauf exakt durch (40 Sek Spiel/ 20 Pause). Reagiert, wenn andere spielen auf deren Spiel oder nicht.

Anweisungen (RG)

Sagt ein Wort, eine kurzen Satz, der eine Anweisung ist:
z.B. “Stille” oder “Spielt euren höchsten Ton” oder “unterbrecht jemand anderen” usw.
Haltet die Anweisung nicht ein.

Wohnung (RG)

Erläutert die Wohnung, in der ihr sitzt. Gebt eine Vorstellung, welche Zimmer es gibt, wie sie eingeteilt ist, wo euer Lieblingsplatz ist, welche Möbel sich darin befinden usw.
Teilt jeweils eine Spielerin ein, sie solle in deinem Wohnzimmer, in deinem Bad, in deinem Schlafzimmer sein.
Dann spielt. Der, dem die Wohnung gehört, hört zu.

fish talk (Howard Skempton: Scratch anthologie)

(Ganz nah am Mikro:)
Atme sehr leise ein und aus
beim Ausatmen, verursache kleine Störgeräusche und Brechungen
mit Lippen/Zunge
hart/weich  ……   lang/kurz
wenn angemessen: küsse

Lieblingsmusik (RG)

Holt eure Lieblingsmusik (Platte, CD, Stick)
Wenn möglich, spielt sie ab.
Alle spielen gleichzeitig ab,
machen pausen, hören den anderen zu, steigern oder verringern Lautstärke, wechseln die Musiken….

Ziel: Klangcollage

Buch (RG)

Holt ein Buch,
schlagt die Seite
45   81   134   269   316
auf und lest
die jeweils 3. und 15. Zeile laut vor.
Organisiert, dass es klingt, dass man alles versteht, dass man reagiert usw.

alone for a second (RG)

Alleine für einige Zeit (für sich) spielen,
dann aufeinander bezogen:
lasst Platz, wartet, versucht zu verstehen, übertönt usw.

support piece (RG)

Holt eine Gebrauchsanweisung,
spielt beim Lesen der Texte einige Klänge,
lest auch laut einige besondere Begriffe,
lest auch in anderen Sprachen
gebt euch eine Rolle.

Corona Notwendigkeiten (RG)

Spielt Klänge, die zwei Meter voneinander klingen, stellt es euch vor.

(nicht für online:)
Spielt nur zu zweit in großem Abstand.
a) Spielt und schaut euch an, wendet euch ab usw.
b) (für Ensembles:) Was tut ihr, wenn ein anderes Paar in euren Sicherheitsabstand kommt?

Wascht euch die Hände. Immer wieder. Nehmt das Geräusch auf oder haltet das Mikro dran…

Stille Post (Ulrike Schwarz/ Carl Ludwig Hübsch/ Sabine Vogel u.a.)

Spielt solistisch und nehmt es auf. Sendet das Band an den Nächsten. Der spielt eine weitere Spur auf und versendet dann an den Nächsten.
Regel: Nur einmal dazu spielen, ohne vorher das Band gehört zu haben.
Spielt mit dem Band mit, ohne den Ton angestellt zu haben, eine zweite Spur ein.
Spielt solistisch und nehmt euch auf. Versendet das Stück an einen, der die Teile auf mehrere Spuren zusammenfügt und so ein Ensemblestück kreiert.

Hausmusik (RG)

Spielt, wo ihr gerade seid, einige kurze Stücke (mit Uhr: 20/40/60 Sekunden), aber auch ohne Uhr. Nehmt das Stück auf. Versendet es an jemand per whatsapp.
Der oder die Empfänger sollen mit eigenem Spiel daran anschließen, dazu spielen, nur anhören, etwas damit machen, was ihm einfällt.
Setzt euch mit den Stücken der anderen mit Kopfhörer an verschiede Orte der Wohnung, des Zimmers, in verschiedenen Positionen usw.

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Matthias Schwabe:

Improvisierend allein zuhaus’ – 3 Anregungen

Wie klingst du? oder „Jenseits der Beherrschung“

— Wähle ein Objekt, mit dem du noch nie Musik gemacht hast: Pappkarton, Plastikeimer, aufgeblasener Luftballon, Wellpappe, Steine, Porzellan, Äste, Metallteile etc.
Wähle bei Bedarf Hilfsmittel, mit denen Du das Objekt bespielen kannst: Schlägel, Drahtstücke, Stäbe, Murmeln, Bürsten etc.

— Gib dir 10 Minuten Zeit, die Klänge des Objektes zu erkunden.

— Präsentiere dann eine klangliche Solo-Performance.
Es kann hilfrei sein, entweder eine Person (oder mehrere) als Publikum zu haben oder das Stück aufzunehmen.

— Nimm dein eigenes Instrument. Spiele auf ihm, als sei es vollkommen neu für dich, mit derselben Haltung, mit der du vorher das Klangobjekt bespielt hast. „Beherrsche“ das Instrument nicht, sondern „befrage“ es: Wer bist du? Wie klingst du? Was steckt in dir?
Auch hierfür kann Publikum und/oder eine Aufnahme hilfreich sein.

— Wähle ein neues Objekt, mit dem du noch nie Musik gemacht hast… usw.
(Variante: Wähle dasselbe Objekt noch einmal. Gib dir wieder 10 Minuten [oder mehr] Zeit usw.)

Treibholz oder „…wohin die Strömung dich trägt“

Stelle dir vor, du bist ein Stück Holz, das in einem Bach schwimmt. Mal wird es gemächlich fortgetragen, mal gerät es in einen Strudel, steckt für einige Zeit fest, befreit sich wieder, wird von einem schnellen Sog fortgezogen etc.

Es geht nicht darum, das Wasser darzustellen, vielmehr steht das Bild des Treibholzes für die Art der musikalischen Fortentwicklung: mal allmählich, mal sich im Kreise drehend, mal rasend schnell etc.

Wichtig: Du bist ein Stück Holz und kein Boot mit Motor und Steuerung. Du kannst dir deinen Weg nicht aussuchen, sondern wirst vom musikalischen Fluss bewegt. Lass dich davon überraschen, wohin die Strömung dich trägt!

Entstehen – vergehen

Improvisiere solistisch zum Thema „entstehen – vergehen“.

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2021Sa23Jan11:0019:00Ich würd’ so gern und trau’ mich nichtAngstfrei musizieren – entfällt wegen Corona11:00 - 19:00 exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang DLernraum:Wochenend-Workshop

Leitung/Facilitator

Matthias Schwabe

Zeit/Time

Samstag, 23. 01. 2021 | 11:00 - Samstag, 23. 01. 2021 | 19:00

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang D

Inhalt/Content

In diesem Workshop geht es um die Lust am Spiel und am Klang. Zahlreiche klingende Objekte und Kleininstrumente stehen zur Verfügung, die darauf warten, erforscht und zum Klingen gebracht zu werden.

Bewährte Spielregeln helfen, damit gemeinsam Musik zu entwickeln. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, wohl aber Neugier auf ungewohnte musikalische Erlebnisse.

Der Workshop muss wegen Corona leider entfallen

2021Sa23Jan15:0017:30GrenzgängeExperimentierfeld „Stimme, Klang und Bewegung“ – entfällt bis auf weiteres!15:00 - 17:30 exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang DSpielraum:Offene Bühnen

Zeit/Time

Samstag, 23. 01. 2021 | 15:00 - Samstag, 23. 01. 2021 | 17:30

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang D

Inhalt/Content

Experimentieren mit Ideen und Formen, die im Grenzgang zwischen Stimme, Klang und Bewegung liegen. Das Beziehungsgeflecht zwischen Stimme, Instrument, Körper und Bewegung für sich selbst erforschen und im gemeinsamen Spiel(en) und der Begegnung mit anderen weiterentwickeln.

Für Leute mit Improvisationserfahrung, die sich entweder im Klang – Stimme oder Instrument – oder in der Bewegung zu Hause fühlen. Für Leute, die Lust haben, ins jeweils andere Gebiet vorzudringen und Wege suchen, beides miteinander zu verbinden. Für Improvisierende, die sich im geschützten Raum ausprobieren und über das Erlebte austauschen wollen und an einer regelmäßigen Zusammenarbeit und möglichen Ensemble-Gründung interessiert sind.

Bitte Bewegungskleidung mitbringen.

Kommende Termine bis Januar 2021:
22.8. | 3.10. | 28.11. | 23.1.2021

In Zeiten von Corona gelten auch im exploratorium besondere Regeln, die hier zusammengefasst sind: Link

Insbesondere wichtig zu wissen ist, dass für alle Veranstaltungen eine Voranmeldung erforderlich ist, weil die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Näheres unter Details: Anmeldung.

Diese Veranstaltung entfällt bis auf Weiteres

 

2021So24Jan19:3022:00Improvisation als Lebenskunst!?Spur 12: Wandlung im schöpferischen Ausdruck - wegen Corona verschoben auf Herbst 202119:30 - 22:00 exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang CSpielraum:Lebenskunst

Zeit/Time

Sonntag, 24. 01. 2021 | 19:30 - Sonntag, 24. 01. 2021 | 22:00

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang C

Inhalt/Content

Spur 12: Wandlung im schöpferischen Ausdruck

Workshop & Gespräch mit Lothar Hahn (Essentielles Theater) und Rainer Stolz

Essentielles Theater ist kein Theater im herkömmlichen Sinn, sondern eine kreative Auseinandersetzung mit persönlichen und kollektiven Themen. Ausdrucksmittel sind u. a. Bewegung, Tanz, Stimme, Malen, Gestalten, Schreiben, Ritual und Improvisation, verbunden mit Elementen aus der Körperpsychotherapie und analytischen Betrachtungen.

Mit jeder freien Bewegung, jedem Tanz, jedem Ton, jedem stimmigen Pinselstrich, jedem intuitiv geschriebenen Wort und jeder frei entwickelten Improvisation schöpfen wir aus der eigenen Authentizität. Individuelle Potenziale werden spielerisch freigelegt, deren Entfaltung und Integration in das alltägliche Leben gefördert. Das Durchleben dieser Prozesse und ihr schöpferischer Ausdruck wirken heilsam und transformativ – Via Creativa.

Auf der Suche nach Essenz und dem ‚Authentischen Moment’ verbindet Essentielles Theater Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung, der kreativen Gestaltung und der Kunst mit der existenziellen Wesens- und Sinnsuche.

An diesem Abend vermittle ich einen kleinen Einblick in diese kreativ-therapeutische Methode und begleite persönliche Prozesse im „Offenen Raum“ – der ein Experimentierfeld und eine Bühne ist für die Impulse aus dem eigenen inneren Raum. 

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Bitte bringen Sie bequeme Kleidung mit.

Lothar Hahn ist Begründer der Methode des Essentiellen Theaters, Kreativtherapeut, 5Rhythmen®-Lehrer und Vokalperformer.

www.essentielles-theater.de

 

Reihe: Improvisation als Lebenskunst!?

Improvisiert wird einerseits in der Musik, im Tanz oder im Theater – andererseits in Lebensfeldern wie der Kommunikation, in Beziehungen, im Leben mit Kindern, in Lern- und Arbeitsprozessen, in der Selbstorganisation, im Coaching, in Therapie und Selbsterfahrung. Im Rahmen dieser Reihe bieten Dozent*innen aus verschiedenen Bereichen Aspekte ihrer improvisatorischen Arbeit zwischen Kunst und Lebenskunst in einem Workshop zur praktischen Erkundung und in einem Gespräch zur Reflexion an. Alle Interessierten sind zum Erfahrungsaustausch und zum gemeinsamen Forschen herzlich willkommen!

Leitfragen der Reihe sind:

Was erfahren, was lernen wir im Spiel mit Improvisation über und für das alltägliche Leben?
Inwiefern unterstützt uns Improvisation dabei, mit Herausforderungen und Krisen persönlicher, sozialer oder gesellschaftlicher Art umzugehen?
In welchen Lebens-, Arbeits- und Gesellschaftsbereichen bietet sich ein Transfer improvisatorischer Formate, Werkzeuge und Grundhaltungen an?
Was trägt Improvisation zu einem guten Leben, zu Vielfalt, Kooperation und Frieden bei?

Gastgeber der Reihe ist der Autor, Performer und Dozent am exploratorium berlin Rainer Stolz

 

Die Veranstaltung muss wegen Corona auf Herbst 2021 verschoben werden

2021Mi27Jan20:0021:30StimmImprovisationentfällt wegen Corona20:00 - 21:30 exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang DLernraum:Regelmäßige Kurse

Leitung/Facilitator

Christian Wolz

Zeit/Time

Mittwoch, 27. 01. 2021 | 20:00 - Mittwoch, 27. 01. 2021 | 21:30

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 2, Aufgang D

Inhalt/Content

Mit seinem bewährten Angebot „StimmImprovisation“ setzt Christian Wolz ab Januar 2021 seine Arbeit im exploratorium berlin fort. Der Kurs richtet sich an alle Stimminteressierten, die gerne improvisieren und offen sind für das Erforschen, Spielen und Improvisieren mit der Stimme.
Entspannungs- und Atemtechniken sowie spezielle Stimmübungen bilden die Basis der Stimmarbeit. Gemeinsames Improvisieren in der Gruppe verbindet diese zum Team und bildet den Hauptteil jeder Kursstunde. Kurze und längere Improvisationen werden sowohl in kleinen Teams als auch in der gesamten Gruppe entwickelt und präsentiert.
Für AnfängerInnen und Stimmerfahrene sowie ehemalige TeilnehmerInnen, die das Erlernte gerne auffrischen möchten.

 

Da die Corona-Mapßnahmen das Singen in Gruppen nicht zulassen, muss dieser Kurs leider entfallen!

2021Fr29Jan19:0019:45Berlin mit den Ohren – explo soundwalksentfällt bis auf weiteres wegen Corona19:00 - 19:45 exploratorium berlin, Treffpunkt im Hof vor Aufgang CSpielraum:Weitere Angebote

Zeit/Time

Freitag, 29. 01. 2021 | 19:00 - Freitag, 29. 01. 2021 | 19:45

Ort/Location

exploratorium berlin, Treffpunkt im Hof vor Aufgang C

Inhalt/Content

John Cage sagte: „Ein Geräusch wird als störend empfunden – es sei denn, man hört ihm zu.“
R. Murray Schafer ging 1971 in seiner Studie The Tuning of the World noch weiter und erkannte die Klänge unserer alltäglichen Umwelt als essentiell wichtig für das Wohlbefinden und sogar die Gesundheit des Menschen. Die Qualität und die Balance dieser regelhaften Zusammenklänge eines Soundscape (einer Klanglandschaft) zu verbessern und zu stabilisieren, ist das Hauptanliegen der mittlerweile weltweit bedeutenden Bewegung der „akustischen Ökologie“.

Die „explo-soundwalks“ sind entspannte Exkursionen in die mannigfaltige „Symphonie des Alltags“. Die Gruppe unternimmt eine Hör-Reise durch verschiedene interessant klingende Orte rund um das exploratorium.

Die soundwalks finden jeweils vor einem unserer Konzerte statt und werden so terminiert sein, dass alle Teilnehmenden rechtzeitig zum Konzert wieder zurück im exploratorium sind.

 

Termine bis Mai 2021:
So 22.11. | Fr 29.01. | Do 18.03. | Fr 28.05.

Die Veranstaltung entfällt bis auf weiteres wegen Corona

2021Fr29Jan20:00Sound & Lecture N° 16: Aspect Seeing – An Artistic Re-ReadingWegen Corona verlegt - Neuer Termin: 13.08.202120:00 exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang CBühne:Sound & LectureDenkraum:Sound & Lecture

Zeit/Time

Freitag, 29. 01. 2021 | 20:00

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang C

Inhalt/Content

Neuer Termin wegen Corona: 13. August 2021

Sound & Lecture N° 16: Aspect Seeing – An Artistic Re-Reading
Nicola L. Hein (DE) – Gitarre, Elektronik
Christian Grüny (DE) – Text, Philosophie
Simon Rose (UK/DE) – Baritonsaxofon
Claudia Schmitz (DE) – Bewegtbild auf Skulptur
Maria Colusi (AR/DE) – Tanz

Moderation: Mathias Maschat

Die Denkraum-Reihe Sound & Lecture verbindet die Präsentation eines künstlerischen Projekts mit einem KünstlerInnengespräch, das von Mathias Maschat moderiert wird. Zu Gast sind Nicola Hein, Christian Grüny, Simon Rose, Claudia Schmitz und Maria Colusi mit Aspect Seeing – An Artistic Re-Reading.

Die Eigenschaft unserer Wahrnehmung, ein Wort, ein Bild oder einen Klang in Kontexten zu verstehen, bezeichnete der Philosoph Ludwig Wittgenstein als ‚Aspektsehen‘. Bei diesem Phänomen nimmt das interdisziplinäre Projekt Aspect Seeing – An Artistic Re-Reading seinen Ausgang. Musik, philosophischer Text, Tanz und Video treffen darin aufeinander und begegnen sich in der Improvisation. Das Aspektsehen, ebenso wie die damit verbundene Fähigkeit des Aspektwechsels, werden dabei künstlerisch und philosophisch auf mehreren Ebenen reflektiert. Eines der Anliegen ist es, das Potential von Wittgensteins Auseinandersetzung mit Wahrnehmungspsychologie und Bedeutungskonstruktion in einer Reinterpretation durch die Künste, in ihrer Interaktion und Relationalität, zu befragen.

Die Performance ist der Auftakt zu dem Symposium Sinn und Präsenz in Improvisation.

 

Eintritt: 12 / 10 / 6 Euro (Normalpreis / ermäßigt / Berlin-Pass)

2021Sa30Jan(Jan 30)10:00So31(Jan 31)16:00Symposium: Sinn und Präsenz in ImprovisationWegen Corona verlegt - Neuer Termin: 14.-15.08.202110:00 - 16:00 (31) exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang CDenkraum:Symposien

Zeit/Time

Samstag, 30. 01. 2021 | 10:00 - Sonntag, 31. 01. 2021 | 16:00

Ort/Location

exploratorium berlin, Saal 1, Aufgang C

Inhalt/Content

Neuer Termin wegen Corona: 14.–15. August 2021

SINN UND PRÄSENZ IN IMPROVISATION

6. Symposium am exploratorium berlin
Eine Veranstaltung des DENKRAUM IMPROVISATION

29.–31. Januar 2021

Keynotes:
Christian Grüny: Diagrammatische Improvisation und der Sinn des Heterogenen
Nicola L. Hein: Das Paradigma der Präsenz und Modi der Temporalität in den Critical Improvisation Studies
Mathias Maschat: Präsenz als improvisationsästhetische Kategorie

Weitere Beiträge:
Christoph Baumann, Jean Beers, Carl Bergström-Nielsen, Reinhard Gagel, Thomas Gerwin, Carl Ludwig Hübsch, Jin Hyun Kim, Doris Kösterke, Urban Mäder, Annemarie Michel, Alex Nowitz, Nina Polaschegg, Ingo Reulecke, Ursel Schlicht, Wolfgang Schliemann, Fransziska Schroeder, Sabine Vogel und Andrew Wass

***DOWNLOAD SYMPOSIUMS-PROGRAMM***

Der DENKRAUM IMPROVISATION veranstaltet vom 29.–31. Januar 2021 das Symposium Sinn und Präsenz in Improvisation. Hierbei stehen die Begriffe Sinn und Präsenz als jeweils eigenständige Entitäten, als gegenläufige Momente ebenso wie als ineinander fallende und sich ergänzende ästhetische Kategorien im Zentrum.

Ob und inwiefern Klang ein Träger von Sinn sein kann oder Klang Sinn repräsentieren, war historisch betrachtet Gegenstand zahlreicher musikästhetischer Überlegungen und Auseinandersetzungen. Die Frage danach kulminierte beispielsweise im Streit zwischen Programmmusik und absoluter Musik oder in der Einforderung eines abstrakten Hörens konkreter Klänge in der musique concrète. Vor jeder Zuschreibung von Sinn ist Klang jedoch zunächst einmal da, gegenwärtig, unmittelbar und phänomenal. Lässt man die Verortung jedweder Musik in kulturellen Kontexten für einen Moment beiseite, ist die Kategorie der Präsenz zweifelsohne ganz allgemein ein starkes Moment musikalischer Erfahrung. Hieran anschließend stellt sich die Frage, inwiefern Sinn und Präsenz im Zusammenhang mit Improvisation bzw. improvisierter Musik als eigenständige Kategorien behandelt werden können, inwiefern sie als sich ausschließende Gegensätze verhandelt werden müssen oder im Gegenteil dazu als notwendigerweise zusammengehörige Aspekte des Improvisierens oder des Improvisation Rezipierens.

Sowohl Sinn als auch Präsenz sind mehrdeutige und in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedlich verwendete Begriffe. So steht Sinn einerseits in semantischer, semiotischer oder symbolischer Lesart für die referenzielle Bedeutung von Sprache und Zeichen. Andererseits umfasst Sinn den Zweck, das Ziel, die Absicht, die Erfüllung oder die höhere Bestimmung eines Tuns. Präsenz kann sich auf eine Anwesenheit und Gegenwart sowohl im Zeitlichen als auch im Räumlichen beziehen. Der Begriff funktioniert als Beschreibung eines Charakteristikums einer rein phänomenalen Welt, quasi als Verweis auf die Annahme eines Nicht-Repräsentationalen. Außerdem kann Präsenz sich auf ein Auratisches oder auf Ausstrahlung beziehen.

Der Fokus des Symposiums auf das Begriffspaar in seiner Kombination rührt von der philosophisch eingeführten, teils auch kritisierten Gegenüberstellung von Sinn und Präsenz als getrennten oder zumindest spannungsreichen Sphären von Welterfahrung und ‑deutung. Präsenz öffnet in eben jenen Erörterungen die Tore in eine Welt unmittelbarer Erfahrung, in eine Welt hinter oder neben dem durch Interpretation und Hermeneutik Ergründbaren – jenseits konkret sinnhafter Inhalte. Im Hinblick auf Improvisation können sicherlich alle genannten Bedeutungshorizonte relevante Blickwinkel ausleuchten. Insgesamt erscheint aber das Moment von Präsenzerfahrung in einer überwiegend abstrakten Kunstform wie der zeitgenössischen Improvisation gegenüber einer Sinnvermittlung und ‑entschlüsselung als vorrangig. Was geschieht jedoch in anderen Formen der Improvisation, die mit bestimmten musikalischen Strukturen und Konventionen konkrete Inhalte verbinden? Was geschieht in zeitgenössischer Improvisation, wenn Elemente des Sprachlichen integriert werden? Oder wenn frei improvisierte Stücke im Nachhinein mit Titeln versehen werden? Was geschieht, wenn improvisierte Musik interdisziplinär mit anderen Kunstformen kombiniert wird und dabei abstrakte Klänge mit konkreteren künstlerischen Ausdrucksformen in Beziehung treten? Was ist mit dem Verweischarakter von Kunst oder mit Ebenen der Intertextualität?

Während Präsenz in seiner ganzen Bandbreite befragt werden soll, steht in Bezug auf Sinn in erster Linie die Frage nach Elementen klar referentieller Bedeutung im Vordergrund. Weiterführend kann jedoch auch die Konstitution von Sinn als eine erfüllende Sinnhaftigkeit improvisatorischen Tuns befragt und beschrieben werden.

Das Symposium beginnt am Freitag-Abend (29. Januar) um 20 Uhr mit der Performance Aspect Seeing – An Artistic Re-Reading von Nicola L. Hein (Gitarre, Elektronik), Christian Grüny (Text, Philosophie), Simon Rose (Baritonsaxofon), Claudia Schmitz (Bewegtbild auf Skulptur) und Maria Colusi (Tanz). Sie findet im Rahmen der Sound & Lecture-Reihe des exploratorium berlin statt, die Aufführungen mit von Mathias Maschat moderierten KünstlerInnengesprächen verbindet.

Call for Papers

»Sinn und Präsenz in Improvisation«, Leitartikel von Mathias Maschat für field notes Magazin #20 – Zeitgenössische Musik und Jazz in Berlin, Januar/Februar 2021, S. 2–4

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